
Eine Fülle von eindrucksvollen Panorama-Aussichten, malerischen Orten, mächtigen Burgen und verlassenen Ruinen als stumme Zeitzeugen der Geschichte – das ist der Steigerwald- Panoramaweg. Er führt den Wanderer auch zur lange gesuchten Grabstätte des Minnesängers Walther von der Vogelweide. Stets begleitet von unzähligen verschiedenen Blumen- und Pflanzenarten am Wegesrand, die den Steigerwald zu einer einzigartigen Wanderregion machen.
Vom Eise befreit
Nicht lange nach der Schneeschmelze, wenn die Bäume noch ohne Laub sind und die Sonne ungehindert den Boden des Waldes erreicht, sollte man auf dem Steigerwald-Panoramaweg das neue Wanderjahr begrüßen. Bereits in dieser Zeit entfaltet der Seidelbast seine rosa Blüten, die Kätzchen des Haselstrauches wiegen sich im frischen Wind, der den gelben Blütenstaub verweht. Wenige Tage später ist der Waldboden mit den Blüten der Leberblümchen geschmückt, in deren Blau sich der Märzhimmel geradezu zu spiegeln scheint.
„Wie sind die Ostertage so wonnig und so licht“ schrieb ein begeisterter Wanderer vor über 100 Jahren. Glücklicherweise hat sich daran bis heute nichts geändert. Die Brunnen sind festlich geschmückt wie in alten Zeiten. Das frische Grün der Wiesen umrahmt die Wälder, in denen nun der Waldboden richtig bunt geworden ist. Es blühen jetzt die weißen und gelben Anemonen, das unscheinbar grüne Bingelkraut, purpur der Lerchensporn und etwas versteckt am Boden die braunrote Haselwurz. Auf den Wiesen haben sich die Blumen ausgebreitet. Oft überdeckt der gelbe Hahnenfuss das Grün oder ein zarter roter Schleier aus den Blüten der Kuckucks-Lichtnelke liegt über den etwas feuchteren Wiesen. Direkt am Panoramaweg bei Castell blühen nun die Wilden Tulpen, eine große botanische Rarität. Es ist die Zeit der langen Tage und der großen Touren gekommen. Am Panoramaweg bei Schloss Frankenberg und im Kunigundenwald entfaltet die Türkenbundlilie ihre großen, fast bizarren Blüten und an den Blumen des Frühlings beginnen die ersten Früchte zu reifen. Wenige Tage nach der Sommersonnwende entfaltet an den Wegrändern die Wegwarte ihre hellblauen Blüten, die den Wanderer dann bis in den Herbst begleiten werden.
Wald, Wein und Wandern
„Im Sommer, da heißt es Wandern“, verheißt ein altes Wanderlied. Goldgelb sind die Getreidefelder im Sommer und bereits ernteschwer die im Sommerwind wogenden Halme. Auf den Lichtungen der Wälder blühen die Weidenröschen und der Fingerhut in roter Farbe. Am Waldrand an den Sträuchern reifen die ersten Früchte. Manchen Tropfen Schweiß wird der Wanderer in diesen Tagen abgeben, doch umso mehr lohnt die Stunde der Ankunft, wenn man zum kühlen Weißbier oder zu einer Radlermaß greift. Dann sind in wenigen Minuten alle Mühen vergessen und die Begeisterung schlägt hohe Wellen. Wein, Wald und Wandern bietet der Steigerwald das ganze Jahr. Aber die Zeit der Weinlese im September und der zu dieser Zeit überall angebotene Federweiße sind doch von ganz besonderem Reiz. Immer wieder verläuft der Panoramaweg im Bereich von Weinbergen, so dass man die Weinlese unmittelbar miterlebt und die Vorfreude auf den Abend besonders groß wird. Die auf den Wiesen blühende Herbstzeitlose, die beginnende Laubfärbung und die kürzer werdenden Tage gehören zu dieser nicht nur fröhlichen, sondern auch stimmungsvollen Wanderzeit.
Wundervolle Wanderungen im „sinkenden“ Jahr
„Die Flur umher es kalt durchweht, wo nirgends mehr ein Blümlein steht“, schrieb Martin Greif vor langer Zeit in einem wunderschönen Gedicht. So ist es auch noch heute im sinkenden Jahr. Wenige Tage vor der Niederschrift dieses Textes wanderte der Autor mit einer Wandergruppe einen Tag auf dem Panoramaweg im Nördlichen Steigerwald, etwas über 24 km betrug die Strecke. Es war ein grauer, kalter Novembertag mit wenig Licht, da eine Hochnebeldecke über dem Land lag. Aber die Blätter in vielen bunten Farben waren noch weitgehend an den Bäumen. Das Rascheln des bereits gefallenen Laubes begleitete den ganzen Tag, der allein durch seine Einsamkeit lange unvergesslich bleiben wird. Die Streckenlänge und die Kürze des Tages ließen kein Kältegefühl aufkommen. Es war bereits Nacht, als die Gruppe kurz nach 17 Uhr in einem warmen, behaglichen Gasthaus freundlich aufgenommen wurde und mit großer Freude auf den gelungenen Wandertag zurückblickte.
Ist auch die Welt umsponnen weiß
So wie in dem langen und kalten Winter 2009, steht der Steigerwald-Panoramaweg auch in diesem Jahr für den Wanderer bereit. Wenn der Schnee nicht über 25 cm hoch liegt, was hier selten der Fall ist, kann man mit einem festen Schuhwerk problemlos wandern. Für vereiste An- und Aufstiege sollte man einen leichten Gleitschutz, den man über die Schuhe streifen kann, dabei haben. Wenn dann noch eine warme Wanderjacke und genügend heißer Tee im Rucksack, die Strecke nicht zu lang ist und man vor Sonnenuntergang das Ziel erreicht, kann auch ein kalter Wintertag große Wanderfreude bereiten.







